Eine aktuelle Studie zeigt, welche Fahrfehler besonders häufig zu Unfällen mit Radfahrern führen. Worauf Autofahrer und Radfahrer achten sollten, um das Unfallrisiko zu mindern.
26.8.2013 (verpd) Bei Verkehrsunfällen ist jeder fünfte Schwerverletzte ein Radfahrer. Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) sind Unfälle zwischen abbiegenden Kraftfahrzeugen und geradeaus fahrenden Radfahrern hierbei mit am häufigsten. Bei dieser Unfallkonstellation, welche fast ausschließlich vom Autofahrer verursacht wird, werden in 80 Prozent der Fälle die Radfahrer verletzt.
Nach Angaben der Unfallforschung der Versicherer (UDV) gab es 2012 74.961 Radunfälle mit Verletzten. Dabei wurden 417 Menschen getötet, 14.496 schwer und 64.835 Personen leicht verletzt. Insgesamt gab es bei Unfällen mit Radfahrern sechsmal häufiger Verletzte als im Vergleich zum Gesamtunfallgeschehen. Innerorts ist sogar jeder vierte Unfalltote ein Radfahrer.
Nach Auskunft der Unfallforschung der Versicherer (UDV) vergessen Autofahrer beim Abbiegen viel zu oft den Schulterblick oder können wegen Sichtbehinderungen und ungünstig geführter Radwege gar nichts sehen. Häufig kommt es deshalb zu schweren Unfällen mit geradeaus fahrenden Radfahrern. In einem Forschungsprojekt hat die UDV diese Unfallursachen detailliert untersucht.
Meistens trifft die Autofahrer die Hauptschuld
Die Studie zeigt, dass sich Unfälle mit abbiegenden Kfz und geradeaus fahrenden Radlern zu zwei Dritteln beim Rechtsabbiegen ereignen. In 90 Prozent der Fälle hatte der Kfz-Fahrer dabei die Hauptschuld. Die unfallträchtigsten Fahrfehler der Autofahrer sind das unbedachte Abbiegen und das Nichtbeachten der Vorfahrt.
Insbesondere an Ampeln, bei denen Radwege zwischen zwei und vier Meter von der Straße abgesetzt waren, kam es überdurchschnittlich oft zu Unfällen. Unfallträchtig waren zudem Kreuzungen ohne Ampeln, an denen die Radwege mehr als vier Meter von der Straße abgesetzt waren. Häufig waren hier Sichtbehinderungen vorhanden.
Vernachlässigter Schulterblick
Laut UDV wurde bei einer Verhaltensbeobachtung zur Studie festgestellt, dass in jedem fünften Fall der Schulterblick des Autofahrers in solchen Situationen fehlt. Bei entsprechenden Unfällen oder Beinahe-Unfällen mit Radfahrern hatte sogar jeder dritte Autofahrer den Schulterblick „vergessen“.
Doch auch Verhaltensfehler bei Radfahrern führen häufig zu Unfällen. Diese sind das Fahren auf der falschen Fahrbahn oder falschen Straßenseite, das Radeln unter Alkoholeinfluss und das unvorsichtige Einfahren in den fließenden Verkehr.
Sicherheitstipps für Auto- und Radfahrer
In einem Crashtest wurden vom UDV die dramatischen Auswirkungen eines solchen Abbiegeunfalls aufgezeigt. Dabei waren zwei Fahrraddummys mit nur etwa 20 km/h unterwegs. Nach Aussagen von Siegfried Brockmann, Leiter der UDV, „hätte ein Radfahrer bei einer solchen Konstellation schwerste oder gar tödliche Verletzungen davongetragen“.
Brockmann appelliert daher an die Autofahrer angesichts der vielfach unübersichtlichen Abbiegesituationen im Straßenverkehr, den Schulterblick konsequent anzuwenden und im Zweifel auch mehrmals zu schauen. Doch auch die Velofahrer können mehr für ihre Sicherheit tun und sich beispielsweise konsequent an die Verkehrsregeln, wie das Fahren in der richtigen Fahrtrichtung, halten. Brockmann rät zudem: „Radfahrer sollten an Kreuzungen besonders aufmerksam sein und zur eigenen Sicherheit auch einmal auf ihr Vorfahrtsrecht verzichten.“